Die Kurzgeschichte Chicago’s

1933 wurde Ed Kelly Bürgermeister. Er stärkte die Demokratische Partei in der Stadt und schuf die legendäre (Wahl-)”Maschine”, die die Regionalpolitik in den folgenden 50 Jahren kontrollieren sollte. Örtliche Politiker vergaben mehrere Tausend Positionen an ihre Anhänger, die im Gegenzug alles daransetzten, dass ihre Gönner wiedergewählt wurden. Mit der Wahl von Richard J. Daley zum Bürgermeister im Jahre 1955 erreichte die Maschine ihren Zenit. Daley wurde fünf Mal wiedergewählt, bevor er 1976 im Amt starb. Mit einem fast unheimlichen Instinkt für die Arbeitsweise der Politikmaschinerie dominierte er die Stadt wie kein zweiter Bürgermeister vor oder nach ihm.

1971 wurde der letzte Schlachthof in Chicago geschlossen. In der gesamten Stadt machten Fabriken und Stahlwerke dicht, weil die Unternehmen wegen geringerer Steuern und Lohnkosten in die Vorstädte oder den Süden der USA zogen. Das folgende Jahrzehnt brachte wirtschaftliche Turbulenzen, die Chicagos Industrie in ihren Grundfesten erschütterte. Doch zwei Ereignisse in den 70er Jahren wurden zu Vorboten der Entwicklung der Stadt. 1974 wurde das (damals) höchste Gebäude der Welt, der Sears Tower, in der Innenstadt eröffnet und setzte eine Entwicklung in Gang, in deren Folge tausende hoch dotierter Arbeitsplätze unter anderem für Finanzfachleute und Rechtsanwälte entstanden. Als 1975 im Stadtzentrum die Shopping-Mall Water Tower Place ihre Pforten öffnete, wurde den Stadtentwicklern klar, dass die urbane Atmosphäre Chicagos eine Attraktion für sich darstellte.

Im Herbst 1982 taten sich alle Farbigen zusammen, die in Chicago Rang und Namen hatten, um gemeinsam den ersten afroamerikanischen und äußerst reformfreudigen Bürgermeister, Harold Washington, ins Amt zu hieven. Das zwischen 1983 und 1987 herrschende politische und gesellschaftliche Chaos hatte einen hässlichen rassistischen Unterton. Im Zentrum der Konflikte stand dabei die alte Garde, die nicht bereit war, dem neuen Bürgermeister auch nur ein Minimum an Macht und Unterstützung zukommen zu lassen. Als Washington 1987 sieben Monate nach seiner Wiederwahl starb, hatten er und seine Anhänger ironischerweise gerade angefangen, Gefallen an den Vorteilen der ‘Maschine’ zu finden, die sie zuvor bekämpft hatten.

1989 wurde Richard M. Daley, der Sohn Richard J. Daleys, zum Bürgermeister von Chicago gewählt. Wie sein Vater besaß auch er einen untrüglichen Instinkt für die Stadtpolitik. Im Gegensatz zu ihm stellte er aber weit mehr politische Vernunft unter Beweis, indem er scheinbar unvereinbare politische Kräfte an einen Tisch brachte. Zwar festigte Daley seine Machtposition in der Stadt ganz nach Manier seines Vaters, doch war er wesentlich fortschrittlicher eingestellt. Die Parks sind sauberer und sicherer, und die Verhältnisse in den Schulen – einst die schlechtesten der Nation – haben sich deutlich gebessert. Eine neue Generation von Berufstätigen findet neuen Spaß am Stadtleben, darunter auch die pulsierende Chicagoer Kulturszene. Milliarden Dollar privater Investitionen, die in die Wohnbezirke gepumpt wurden, und die weit verzweigte wirtschaftliche Basis halfen Chicago, die Rezessionen sowie die Bedrohung durch den Terrorismus besser zu meistern als viele andere Städte in den USA.

Eine Liste aller Sehenswürdigkeiten in Chicago

Chess Records

Von 1957 bis 1967 befand sich das Musiklabel Chess Records in einem bescheidenen Gebäude in der South Michigan Avenue, das sich in der Folge zu einem wahren Blues-Tempel und einer der Keimzellen des Rock and Roll entwickelte. Das Studio wurde von den Gebrüdern Chess, zwei jüdischen Einwanderern aus Polen, betrieben und war Schauplatz für Plattenaufnahmen von Musikern wie Muddy Waters, Bo Diddley, Howlin’ Wolf und Willie Dixon. Chuck Berry nahm hier zehn Top-Ten-Singles auf und die Rolling Stones benannten 1964 ihren Song ‘2120 South Michigan Avenue’ nach einer Aufnahme-Session an diesem Ort. Heute gehört das Gebäude der Willie Dixon’s Blues Heaven Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die von dem verstorbenen Musiker zur Förderung und Bewahrung des Blues ins Leben gerufen wurde.

Spertus Museum

Das kleine, aber feine Spertus Museum im South Loop widmet sich 5000 Jahren jüdischer Religion und Kultur und beleuchtet dabei zahlreiche Aspekte des jüdischen Lebens und Glaubens. Im Zell Holocaust Memorial findet der Besucher Berichte von Überlebenden und die Namen der ums Leben gekommenen Verwandten von Bürgern Chicagos. Im Untergeschoss befindet sich das ‘ArtiFact Center’, wo Kinder ihre eigenen archäologischen Grabungen nach jüdischen Kunst- und Handwerksgegenständen leiten können.

Hyde Park

Der Hyde Park ist eine Oase innerhalb der Stadt. Er verdankt seine Existenz zum Großteil der University of Chicago, an der Studenten mit abgeschlossenem Studium gegenüber den nicht graduierten in der Überzahl sind. 18 Nobelpreise für Wirtschaft gingen seit seiner erstmaligen Verleihung im Jahre 1969 an Absolventen dieser Universität.

Die lesewütigen Jungakademiker verleihen dem Ort eine angenehme, isolierte Kleinstadt-Atmosphäre, die sich stark von den im Westen und Süden angrenzenden, heruntergekommenen Bezirken abhebt. Hauptattraktion für die meisten Besucher ist das Museum of Science and Industry mit seinen Hightech-Ausstellungsstücken. Außerdem beherbergt es einige bizarr anmutende Körperobjekte, darunter ein durchsichtiges, zerlegtes Frauenkörpermodell und die echten Präparate eines weiblichen und eines männlichen Körpers, die in dünne Scheiben zerlegt wurden und so eine Querschnittansicht bieten.

Eine weitere lohnenswerte Attraktion ist Robie House, ein im Jahre 1910 von Frank Lloyd Wright entworfenes Prärie-Haus. Die Räume des Hauses sind um einen zentralen Kamin herum angelegt. Das hört sich gemütlich an, doch die Nachbarn fanden das gar nicht gut. Außerdem wurde Mister Robie von seiner Frau verlassen und ging schließlich pleite. Heute gehört das Haus zur Universität und ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Hyde Park liegt 11 Kilometer südöstlich der Innenstadt von Chicago und ist mit dem Metra-Zug von den Loop-Bahnhöfen Randolph Street und Van Buren Street zu erreichen.

Oak Park

Oak Park ist ein wohlhabender Vorort Chicagos, der als historischer Bezirk erhalten wird. Zum einen wegen Ernest Hemingway, der hier geboren wurde und aufwuchs, zum anderen wegen eines jungen Architekten namens Frank Lloyd Wright, der 1889 in diesem Bezirk ein Architekturbüro eröffnete, um sich dem experimentellen Gebäudedesign zu widmen.

Die meisten der Erinnerungsstücke an Hemingway wurden von der Oak Park Historical Society gesammelt. Das Haus, in dem er aufwuchs, ist jedoch nicht zu besichtigen. Da lohnt es sich schon eher, die 25 über die ganze Stadt verstreuten Bauwerke von Wright ausfindig zu machen. Der 1904 erbaute Unity Temple ist Wrights erster Versuch einer Konstruktion aus gegossenem Beton und eine seiner berühmtesten Arbeiten. Sein Home and Studio wurde mehrmals umgestaltet und vereinigt sämtliche Erkennungsmerkmale, die mit Wright in Verbindung gebracht werden.

Oak Park liegt 15 Kilometer westlich des Loop und ist bequem mit der Hochbahn zu erreichen.

Indiana Dunes National Lakeshore

An klaren Tagen kann man von Chicago aus Gary sehen, ein ärmliches Zentrum der stahlverarbeitenden Industrie knapp 50 Kilometer südöstlich am Ufer des Lake Michigan. Jenseits dieses industriellen Schandflecks liegen die Indiana Dunes, ein 25 Kilometer langer Streifen aus Sandstränden und Dünen, die von den starken Winden am Lake Michigan geformt wurden. Dort gibt es zwar auch einige Baugebiete und ein paar Stahlwerke, doch große Teile des unberührten Sandstrands und der Uferregion wurden zu Schutzgebieten und Nationalparks erklärt.

Das Bailly-Chellberg Visitor Center and Trail bildet das Herz des National Lakeshore Park. An einem drei Kilometer langen Wald- und Naturwanderweg wachsen Hornsträucher, arktische Beeren und sogar Kakteen. Der Pfad führt außerdem an restaurierten Blockhütten aus der Zeit um 1820 und an einer Farm vorbei, die etwa 1870 von schwedischen Siedlern gebaut wurde.

Im Sommer ist der Indiana Dunes State Park mit Menschen übersät, die an den Strand drängen. Das östliche Ende des nicht ganz so überfüllten Kemil Road Beach wird von Mount Baldy beherrscht, einer 36 Meter hohen Düne, die einen guten Ausblick über den See und die Ufergebiete bietet.

Vom Zentrum Chicagos fahren häufig Züge am Südufer entlang zu den 65 Kilometer östlich gelegenen Indiana Dunes. Mit dem Auto gelangt man über den I-94 zu den Parks.

 

Sehenswürdigkeiten in Chicago
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